BIRKENSAFT ZAPFEN

Die geballte Kraft der Birke steckt in ihrem Saft. Die pure Grünkraft fließt durch ihre Adern. Birkensaft ist ein natürlicher Krafttrunk. Er reinigt und gibt frischen Schwung im Frühjahr. Doch wie kommt man an dieses Lebenselixier? In der Zeit bevor die Blätter der Birke austreiben, ist die ideale Zeit für die Safternte. Sobald Tauwetter einsetzt und der Schnee rund um den Birkenstamm geschmolzen ist, kannst du mit der Birkensafternte beginnen.


Birkensaft ist kräftigend

Dem Birkensaft werden enorm kräftigende Eigenschaften zugeschrieben. Bereits unsere vorchristlichen Ahnen zapften Birkensaft als Stärkungs- und Schönheitstrunk. Es verwundert also nicht, das die Birke als Frühlingsbaum verehrt wurde. In ihr sah man die Verkörperung der Göttin des Frühlings, des Lichtes und der Fruchtbarkeit (Brigid). An die Birke wandte man sich bei vielgestaltigem Mangel an Lebensfrische.

 

So holte man sich auch den Birkensaft bei allgemeiner Schwäche. Birkensaft ist blutreinigend und wassertreibend, was sich positiv auf das Hautbild auswirkt. Traditionell setzte man den Birkensaft daher auch bei Hauterkrankungen oder Haarausfall ein. Dazu wurde die Kopfhaut mit Birkensaft eingerieben. Außerdem sollen Gesichtswaschungen mit Birkensaft Sommersprossen entfernen.

Was steckt im Birkensaft?

Birkensaft enthält wertvolle Mineralstoffe, Aminosäuren, Fruchtsäuren, Fruchtzucker und Vitamin C. Genau das, was unsere durch den Winter verbrauchten Depots wieder auffüllen kann. Täglich mehrere Stamperl getrunken, decken den Vitamin C Bedarf. Birkensaft ist angenehm im Geschmack. Eine leicht süßliche Note ist erkennbar. Man fühlt sich Schluck für Schluck erfrischt!

Wähle nur Birken mit einem über 20cm dicken Stamm für die Safternte aus
Wähle nur Birken mit einem über 20cm dicken Stamm für die Safternte aus

Wie kommt man an den guten Saft?

Idealerweise wählt man eine Birke, die man sein stolzes Eigen nennen darf. Steht keine Birke auf dem eigenen Grund zur Verfügung, spricht nichts dagegen Nachbarn oder Bekannte zu fragen ob man von einer ihrer Birken Saft ernten darf. Ist die Erlaubnis eingeholt, kann es los gehen! Es gibt viele Wege, Birkensaft zu zapfen. Ich beschreibe euch hier mein Erfolgsrezept:


Du brauchst:

 

  1. Akkubohrer: stelle sicher, dass der Akku voll geladen ist. Wähle einen Bohrer mit zirka 1 Zentimeter Durchmesser.

  2. Glasgefäß: Glas ist meiner Ansicht nach das hochwertigste Material zum Sammeln und aufbewahren von Flüssigkeiten. Bevorzuge deshalb auch zum Sammeln von Birkensaft ein Glasgefäß gegenüber Kübeln oder Kunststofflaschen. Ein weiterer Vorteil ist das Gewicht. Am oft unebenen Boden hat Glas einen besseren Stand. 

  3. Gummischlauch: ich nehme zum Sammeln von Birkensaft den Schlauch eines Entsafters. Dieser hat zirka 1 Zentimeter Durchmesser und ist geschmeidig und biegsam. Den Schlauch kannst du direkt in die Flasche stecken und du bauchst keinen Trichter.

Wie Geht's?

Wähle eine Birke mit einem Mindeststammdurchmesser von 20cm. Das Gelände rundherum soll so beschaffen sein, dass das Gefäß einen guten Stand hat. Um sicher zu gehen, kannst du das Gefäß mit einem Draht auch an den Stamm binden. Das ist wichtig, da entweder der Wind oder auch vorbeistreifende Tiere den Behälter zu Fall bringen könnten.

 

Dann bohrst du in ca. 20-30cm Höhe ein etwa 2-3cm tiefes Loch in den Stamm. Der Saft beginnt sofort zu fließen! Bevor du in den Stamm bohrst, sollte das Gefäß deshalb bereits einsatzbreit sein. Wir wollen doch nichts von dem guten Saft verschwenden!

 

Stecke den Entsafterschlauch mit dem Metallröhrchen in das frisch gebohrte Loch und achte darauf, dass er gut fest steckt. Wenn der Baum gerade einen starken Saftstrom hat, tropft der Birkensaft ziemlich schnell aus dem Stamm



Birkensaft Rasch verbrauchen!

Die Haltbarkeit von Birkensaft ist auf ein paar Tage begrenzt. Birkensaft sollte unbedingt im Kühlschrank gelagert und innerhalb von wenigen Tagen aufgebraucht werden. Die Haltbarkeit kann man verlängern, indem man den Birkensaft mit hochprozentigem Alkohol mischt. Vom Erhitzen oder dem Einkochen mit Zucker möchte ich abraten. Birkensaft am besten Frisch genießen! Und nur so viel ernten, wie man braucht. Prost!


Das Loch im Birkenstamm wieder verschliessen oder nicht?

Wenn man genug Saft geerntet hat, enfernt man das Röhrchen. Ob das Loch mit einem Stück Holz oder Harz wieder verschlossen werden soll oder nicht, das wird kontrovers diskutiert. Der Vorteil beim Verschließen, es tropft weniger Saft aus dem Baum, der Nachteil: es könnten sich Pilze ansiedeln und den Baum anfällig machen. Nach meinem Zapfdurchgang habe ich wie auf den Bilder ersichtlich, ein Stückchen Holz in die Öffnung geschlagen. Ich habe es auch mit einem Stück Fichtenharz versucht, doch wirklich dicht wurde beides nicht. Ob man das Loch nun offen lässt, oder verschließt, ein gelegentlicher Kontrollgang zur Birke ist nach dem Zapfen empfehlenswert, um ihr Befinden nachzuprüfen. Der Saftstrom hört von alleine auf, sobald die ersten Blätter zu sprießen beginnen.

ein kleines Holzstöckchen steckt im Loch
Das Stöckchen wurde in das Loch geklopft, die Fasern klaffen auseinander

Um den Baum nicht zu sehr zu schwächen, gibt ihm 2 Jahre Pause. Wenn du also im nächsten Jahr wieder Birkensaft ernten möchtest, such dir ein anderes kräftiges Exemplar als Spenderin aus.  


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